Hai Piao Xiao – 海螵蛸 – Sepiae endoconcha

Tintenfischknochen Hai Piao Xiao (Sepiae endoconcha) werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin in erster Linie als ein adstringierendes (zusammenziehendes) Arzneimittel verwendet. Erstmals erwähnt wurden sie in dieser Beziehung im Shen Nong Ben Cao Jing (Shen Nong’s Kräuter).

Pinyin:
Hǎi Piāo Shāo

Synonyme:
乌贼骨 – Wū Zéi Gǔ, Sepiae os, Sepiellea os

Traditionelle Langzeichen:
烏賊骨 – Wū Zéi Gǔ

Familie:
Sepiidae (Tintenfische)

Zoologischer Name:
Sepiella maindroni de Rochebrune

Deutscher Name:
Sepiaschale, Chinesischer Tintenfisch-Schulp, Tintenfischknochen

Englischer Name:
cuttlefish bone, Cuttlebone

Vorkommen:
Hai Piao Xiao (Sepiae endoconcha) wird in den Küstenregionen wie die chinesischen Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Liaoning provinces in China.

Sammlung, Aufbereitung, Lagerung:
Die Innenschale der Tintenfische wird gesammelt, gereinigt und getrocknet. Die Knochen sollten trocken gelagert werden.

Inhaltsstoffe:
… unter anderem Calciumcarbonat, Magnesiumchlorid, Calsiumphosphat.

Temperaturverhalten:
neutral mit warmer Tendenz

Geschmack:
salzig

Funktionskreisbezug:
Niere, Leber, Milz, Magen

Wirkrichtung:
absenkend

Wirkort:
unterer Wärmebereich (Calorium)

Wirkungsweise:
Hai Piao Xiao (Sepiae endoconcha) wirkt adstringierend und entfaltet seine Wirkung auch als Antazidum (Arzneimittel zur Neutralisierung der Magensäure);
Hämostatikum (Hämatostatikum, Styptikum, Hämostypikum oder Hämatostyptikum ist eine Substanz, die zur Blutstillung angewendet wird); Anwendung bei Zahnextraktionen;
Epistaxis (Nasenbluten) und Operationen.

Traditionelle Verwendung:

  • Stützung des Jing/Struktivpotenials;
    Anwendung bei Blutungen, gynäkologischen Blutungen, Spermatorrhö, ejaculatio praecox (vorzeitigem Samenerguss), Flour albus (Weißfluss);
  • astringieren, zusammenziehen, sammeln;
    Anwendung bei Blutungen, Spermatorrhö,  chronischem Durchfall;
  • Stützung und Ergänzung des Yin;
    Anwendung bei Blutungen, nächtlicher Spermatorrhö,  ejaculatio praecox (vorzeitigem Samenerguss), Flour albus (Weißfluss);
  • Stützung des Funktionskreis Niere;
    Anwendung bei , Flour albus (Weißfluss); ejaculatio praecox (vorzeitigem Samenerguss);
  • Harmonisierung und Stützung der mittleren Funktionkreise;
    Anwendung bei chronischem Durchfall, Dysenterie (Ruhr), Schmerzen im Bereich des Nabels, ulcus ventriculi (Magengeschwür);
  • Ausleitung von feuchter Hitze;
    Anwendung bei Geschwüren, nässenden Ekzemen (auch äußerliche Anwendung).

Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
3 g bis 12 g; Standard 5 g

Kochzeit:
insgesamt 60 Minuten:
Zuerst werden die zerkleinerten Knochen 40 Minuten lang vorgekocht, anschließend unter die anderen bereits eingeweichten Arzneimittel der Rezeptur gemischt und weitere 20 Minuten gekocht.

Kombination mit anderen Arzneien der TCM:

  • bei starken gynäkologischen Blutungen
    zusammen mit Qian Cao Gen (Rubiae radix), Huang Qi (Astragali radix);
  • bei Schwäche des Nieren-Yin in Verbindung mit Spermatorrhö, Flour albus (Weißfluss)
    zusammen mit Mu Li (Ostrea concha), Shan Zhu Yu (Corni fructus), Tu Si Zi (Cuscutae semen), Huang Qi (Astragali radix), Bai Zhi (Angelica dahuricae radix);
  • bei Kälte-Schwäche der Mitte in Verbindung mit Schmerzen im Bauchraum, Rülpsen, saurem Aufstoßen, Magenbluten, Magengeschwür
    zusammen mit Zhe Bei Mu (Fritillariae thunbergii bulbus), Gan Cao (Glycyrrhizae radix);
  • bei Feuchtigkeit-Exhanthemen, Geschwüren, nässenden Ekzemen, schlecht heilenden Wunden (äußere Anwendung als Pulver)
    zusammen mit Huang Lian (Coptidis rhizoma), Huang Bo (Phellodendri chinensis cortex), Qing Dai (Indigo pulverata levis);
  • bei Schwäche in den Funktionskreisen Leber und Niere in Zusammenhang mit gynäkologischen Blutungen
    zusammen mit Huang Qi (Astragali radix), Qian Cao Gen (Rubiae radix), Bai Zhu (Atractylodes macrocephala rhizoma), Dang Shen (Codonopsis radix), E Jiao (Asini colla corii), Shu Di Huang (Rehmanniae radix preparata);
  • bei Husten mit blutigem Auswurf
    zusammen mit Bai Ji (Bletillae rhizoma), Zhe Bei Mu (Fritillariae thunbergii bulbus);
  • bei vaginalem Ausfluss (auch blutigem)
    zusammen mit Bai Zhi (Angelica dahuricae radix);
  • lokale Anwendung bei chronischen, schlechtheilenden Geschwüren
    zusammen mit Shi Gao (Gypsum fibrosum), Long Gu (Mastodi fossilium ossis).

Verträglichkeit mit anderen chinesischen Arzneien:

  • Die Wirksamkeit wird gestört durch Bai Ji (Bletillae rhizoma) und Fu Zi (Aconiti radix lateralis praeparata)!

Schwangerschaft:
Hai Piao Xiao (Sepiae endoconcha) kann auch während der Schwangerschaft angewendet werden.

Giftigkeit:
Bei einer Langzeitanwendung kann es zu Obstipation (Verstopfung) kommen.

Warnhinweis:

  • Nicht anwenden bei Schwäche des Yin in Verbindung mit Glut!