Ban Xia - Pinelliae rhizoma

Ban Xia – 半夏 – Pinelliae rhizoma

Der Name Ban Xia bedeutet Mitte des Sommers und gibt einen Hinweis auf die traditionelle Erntezeit. Im Shen Nong Nang Ben Cao Jiang wird Ban Xia (Pinelliae rhizoma) als Arznei zur Behandlung von Darmgrollen und Kälteschäden beschrieben.

Die rohe Knolle der Mittsommerpflanze ist giftig und wird deshalb zunächst zur Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) meist in Essig oder Tee eingelegt, um die giftigen Inhaltsstoffe zu neutralisieren. Ein moderneres Verfahren ist die Behandlung mit Alaun, Süßholz und Calciumcarbonat. Die so behandelten Knollen werden dann Fa Ban Xia (Pinelliae rhizoma preparata) genannt.

Wird die Knolle mit Alaun und Ingwer mariniert nennt man die daraus entstehende Arznei 姜半夏 Jiang Ban Xia (Pinelliae cum Zingibere rhizoma).

Die Knolle der Pinellia wird in Ostasien auch als Nahrungmittel verwendet. Das enthaltene Gift wird durch trocknen und gründliches Garen zerstört.

Die Mittsommerpflanze gelangte als Zierpflanze auch nach Europa und wurde gern in Staudenbeeten gepflanzt. Man kann diese Pflanze auch verwildert in weiten teilen der Welt finden.

Pinyin:
Bàn Xià

Familie:
Araceae (Aronstabgewächse)

Stammpflanze:
Pinellia ternata (Thunb.) Breit.

Deutscher Name:
Mittsommerpflanze-Erdspross; Pinellia

Englischer Name:
Pinellia Tuber

Vorkommen:
Ban Xia (Pinelliae rhizoma) ist vor allem in den chinesischen Provinzen Sichuan, Hubei und Shandong zu finden.

Sammlung, Aufbereitung, Lagerung:
Die Erdsprossen der Mittsommerpflanze werden Sommer und Herbst gesammelt und getrocknet. Sie sollten kühl und trocken gelagert werden.

Tatsächlicher Geruch und Geschmack:
Der Geruch ist leicht, der Geschmack scharf und würzig, betäubt die Zunge und stimuliert die Kehle.

Temperaturverhalten:
neutral bis warm

Geschmack:
scharf

Funktionskreisbezug:
Milz, Magen, Lunge

Wirkrichtung:
absenkend

Wirkort:
Mitte, mittlerer Wärmebereich (Calorium)

Besonderes:
Ban Xia (Pinelliae rhizoma) wirkt als Antidot für Strychnin und Acetylcholin.

Traditionelle Verwendung:

  • Trocknung von kalter Feuchtigkeit;
    Anwendung bei Schleimbildung, Druckgefühl im Bereich von Bauch und Brust, Husen, schleimiger, dünner, heller Auswurf, Verdauungsstillstand;
  • Umwandlung von Schleim;
    Anwendung bei Schleimbildung im Brust- und Bauchbereich, Verdauungsstillstand, Verknotung im unteren Wärmebereich (Calorium), Knotenbildungen, Druckgefühl im Bereich der Brust, Schmerzen durch Schleim, vor allem im Bereich des Brustkorbs, Eiterbildung;
  • Absenkung des Qi;
    Anwendung bei Brechreiz, Aufstoßen verursacht durch Kälte im Funktionskreis Magen, Umwandlung und Ausleitung von Schleim im Funktionskreis Magen;
  • Stillen von Brechreiz durch Schleimumwandlung und Qi-Absenkung;
  • Harmonisierung und Stützung der mittleren Funktionskreise durch Trocknung von Feuchtigkeit, Umwandlung von Schleim und Absenkung des Qi;
  • Stillen von Blutungen;
    Anwendung bei blutigem Auswurf, spontanen, äußerlichen Blutungen, Blut im Stuhl, gynäkologischen Blutungen, Blutungen nach äußeren Verletzungen

Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
3 g bis 12 g; Standard 6 g

Kochzeit:
20 Minuten

Kombination mit anderen Arzneien der TCM:

  • bei Spannungen im Bereich des Bauches, Übelkeit, Brechreiz durch Disharmonie des Magens
    zusammen mit Chen Pi (Citri reticulatae pericarpium);
  • bei Spannungen im Epigastrium, Verdauungstörungen durch Kälte oder Hitze
    zusammen mit Huang Lian (Coptidis rhizoma);
  • bei Husten mit Schleim durch Feuchtigkeit-Schleim oder Milz-Qi-Schwäche
    zusammen mit Chen Pi (Citri reticulatae pericarpium);
  • bei Husten, Übelkeit, Brechreiz durch Hitze-Schleim mit hochschlagendem Qi
    zusammen mit Huang Qin (Scutellaria baicalensis radix);
  • bei Husten, Brechreiz, Spannungen in Epigastrium und Abdomen hervorgerufen durch Schleim
    zusammen mit Hou Po (Magnoliae officinalis cortex);
  • bei Husten, hervorgerufen durch Feuchtigkeit-Schleim
    zusammen mit Zhe Bei Mu (Fritillariae thunbergii bulbus);
  • bei Spannungen im Brustkorb, Husten, Brechreiz durch Hitze-Schleim
    zusammen mit Gua Lou Shi (Trichosanthis fructus);
  • bei Schlaflosigkeit, hervorgerufen durch Hitze-Schleim
    zusammen mit Xia Ku Cao (Prunellae spica).

Verträglichkeit mit anderen chinesischen Arzneien:

  • Die Giftigkeit wird aufgehoben durch Sheng Jiang (Zingiberis rhizoma recens), Ming Fan (Alumen).
  • Die Wirksamkeit wird gefördert durch She Gan (Belamcandae rhizoma), Chai Hu (Bupleuri radix).
  • Die Wirksamkeit wird gestört durch Zao Jiao (Gleditsiae fructus).
  • Die Wirksamkeit wird beschränkt durch Hai Zao (Sargassi thallus), Yi Tang (Maltose), Sheng Jiang (Zingiberis rhizoma recens), Qin Pi (Fraxini cortex), Xiong Huang (Realgar).

Schwangerschaft:
Ban Xia (Pinelliae rhizoma) sollte während der Schwangerschaft nur mit Vorsicht angewendet werden.

Giftigkeit:
Ban Xia (Pinelliae rhizoma) verusacht ein Brennen auf der Mundschleimhaut. Deshalb ist im Handel auch meist die mit Ingwersaft vorbehandelte Form Jiang Ban Xia (Pinelliae cum Zingibere rhizoma) zu finden. Ein übermäßiger Gebrauch von Pinellia kann zur Schwächung der Mitte führen.

Warnhinweis:

  • Nicht anwenden bei bei Hitze-Symptomatik!
  • Nicht anwenden bei Yin-Mangel!