Ru Xiang – 乳香 – Olibanum

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird Ru Xiang (Olibanum) vor allem zur Regulierung des Xue (Blut), zum Lösen von Stauungen und als dynamisierendes Arzneimittel verwendet. Erstmals erwähnt Olibanum im Ming Yi Bie Lu (Verschiedene Aufzeichnungen Berühmter Ärzte).

Ru Xiang - Olibanum - Weihrauchharz
Olibanum – Weihrauchharz
Foto: Peter Presslein

Olibanum ist der echte Weihrauch, das goldgelbes, wohlriechendes Harz des strauchartigen Weihrauchbaums Boswellia cartii, der hauptsächlich im arabischen Raum und in Somalia zu finden ist. Luban, so der arabische Name, wird in seinem Vorkommensgebiet schon seit mehr als 4000 Jahren gewonnen und war schon im Altertum das begehrteste Räucherharz. Später wurde das Olibanum harz auch zu Herstellung von Kosmetik und Parfüm verwendet. In den  mitteleurpäischem Raum gelangte der Weihrauch hauptsächlich durch die katholische Kirche. Mastix ist das Harz aus der Rinde des Mastixbaumes Pistacia lentinus und wird in Griechenland vor allem zum Harzen von Wein und zum Aromatisieren des Ouzo, einer Anisspirituose, verwendet. In der griechisch-orthodoxen Kirche hat dieses Harz eine bedeutende Rolle als Duftstoff inne.

Pinyin: Rǔ Xiāng

Synonym: Olibanum gummi, Mastix

Familie: Burseraceae (Balsambaumgewächse)

Stammpflanze: Boswellia carterii Birdw.

Deutscher Name: Weihrauchbaumharz, Weihrauch, Mastix

Englischer Name: Olibanum, Frankincense, Fragrant Milk

Vorkommen: Olibanum stammt aus Somalia und Äthiopien in Afrika.

Sammlung, Aufbereitung, Lagerung: Das Weihrauchharz, Ru Xiang (Olibanum), wird im Frühling und Sommer gesammelt. Es sollte kühl und trocken gelagert werden.

Qualität:

Weihrauchmischung
Weihrauchmischung

Drei Sorten Weihrauch-Harze: Links die günstige und minderwertige erste Ernte, mittig eine typische kostengünstige Mischung aus der ersten Ernte mit Anis und Styrax (Balsam) zur Verwendung in der Heiligen Messe („Kirchenqualität“), rechts die fast weiße, teure spätere Ernte als höchste Qualität.

Tatsächlicher Geruch und Geschmack: Ru Xiang (Olibanum) hat ein wohlduftenden Geruch und ist leicht bitter im Geschmack.

Inhaltsstoffe: Der Echte Weihrauch enthält unter anderem ätherische Öle aus Pinen, Limonen, Candinen, Camphen, p-Cymen, Borneol, Verbenon, Verbenol, Dipenten, Phellandren, Olibanol.

Temperaturverhalten: warm

Geschmack: scharf, bitter

Funktionskreisbezug: Herz, Leber, Milz

Wirkrichtung: emporhebend

Wirkort: unterer Wärmebereich (Calorium), Leitbahnen

Wirkungsweise: Früher wurde Ru Xiang (Olibanum) ein phytotherapeutisches Mittel gegen Blähungen verwendet. Die enthaltene Boswelliasäure zeigt in Laboruntersuchungen eine antimikrobielle Wirkung, eine hemmende Wirkung auf das Komplementsystem und auf die Synthese von Leukotrienen. Im Gegensatz zu bestehenden Gerüchten entsteht beim verbrennen von Weihrauch kein Tetrahydrocannabinol (THC). Weiterhin wirkt Weihrauch Schweiss erzeugen, Feuchtigkeit und Hitze ausleitend, harntreibend und lässt Schwellungen abklingen.

Traditionelle Verwendung:

  • Bewegung des Xue (Blut); Anwendung bei Schmerzen durch Xue-Stasen, nach Traumen, Menstruationsbeschwerden, Ausbleiben der Menstruation, Schmerzen im Bauchraum, im Unterleib und im Brustbereich, Schwellungen;
  • Beseitigen von Schmerzen; Anwendung bei Menstruationsbeschwerden, Schmerzen im Bauchraum, im Unterleib und im Brustbereich,  Gelenk- und Gliederschmerzen;
  • Ausleitung von Wind bei Feuchtigkeit; Anwendung bei Gelenk- und Gliederschmerzen, Krämpfen, Rigidität (Steifigkeit insbesondere der Muskulatur)
  • Behandlung von Verletzungen, Hämatomen und Wunden; Anwendung bei traumatischen Schwellungen, Hämatomen, Karbunkeln, Geschwüren und Wunden bei Blutstauungen;
  • Ausleitung feuchter Hitze; Anwendung bei Geschwüren, schlecht heilenden Wunden, Schwellungen, Karbunkeln, traumatischen Verletzungen, Entzündungen im Mund- und Rachenbereich (auch durch lokale Anwendung);
  • Zerteilung von Schwellungen; Anwendung bei Karbunkeln, Geschwüren, traumatischen Schwellungen, Hämatomen, Stauungen des Blutes, schmerzhaften Schwellungen

Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin: 3 g bis 9 g; Standard 5 g Kochzeit: 20 Minuten Kombination mit anderen Arzneien der TCM:

  • bei Stasen des Xue (Blut) mit Blockaden der Leitbahnen und posttraumatischen Schmerzen zusammen mit Mo Yao (Myrrha);
  • bei Stasen des Xue (Blut) hervorgerufen durch Hitze in Zusammenhang mit Menstruationsbeschwerden, Schmerzen im Bauchraum und im Unterleib zusammen mit Mo Yao (Myrrha), Xiang Fu (Cyperi rhizoma), Yan Hu Suo (Corydalis rhizoma), Dang Gui (Angelica sinensis radix);
  • bei plötzlichen Durchblutungsstörungen, Spasmen, Rigidität (Steifigkeit der Muskulatur) oder kalter Feuchtigkeit in Zusammenhang mit schmerzhaften Blockaden zusammen mit Fu Zi (Aconiti radix lateralis praeparata), Di Long (Lumbricus);
  • bei Schmerzen in den Flanken, Verstauchungen zusammen mit Niu Xi (Achyranthis bidentatae radix).

Gegenanzeigen: In Fällen von Depletio der Oberfläche mit massivem Schwitzen sollte Weihrauch nicht angewendet werden. Wenn Olibanum heiß zu sich genommen wird, kann zu Erbrechen führen. Deshalb sollte man das Dekokt kalt trinken oder Huang Lian (Coptidis rhizoma) und Huang Qin (Scutellaria baicalensis radix) beifügen.

Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft darf Ru Xiang (Olibanum) auf keinen Fall angewendet werden. Warnhinweis:

  • Nicht anwenden bei während der Schwangerschaft!
  • Nicht anwenden bei fehlender Stase des Xue (Blut)!
  • Nicht anwenden beim Fehlen von Hitze oder Feuchtigkeit!