Cannabis sativae semen

Huo Ma Ren – 火麻仁 – Cannabis sativae semen

Cannabis gilt in der westlichen Welt vor allem als Freizeitdroge aber auch als Heilpflanze. Die Blätter werden gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, aber auch zur Linderung der Symtome von Muskelverhärtungen.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bevorzugt man jedoch die Samen – Huo Ma Ren (Cannabis sativae semen) – als ein mildes und feuchtes Abführmittel.

Pinyin:
Huǒ Má Rén

Synonyme:
Da Ma Ren, Ma Zi Ren

Familie:
Cannabaceae (Hanfgewächse)

Stammpflanze:
Cannabis sativa L. (Moraceae)

Deutscher Name:
Cannabissamen, Indischer Hanfsamen, Alpenkrautsamen, Donnerkrautsamen, Dostenkrautsamen, Drachenkrautsamen;
Weiterhin bekannt Produkte der Pflanze:
Haschisch (Harz aus den weiblichen Blüten), Marihuana (getrocknete Blüten und Blätter der weiblichen Pflanze)

Englischer Name:
Hemp Seed

Tatsächlicher Geruch und Geschmack:
Hanfsamen haben einen leichten Geruch und einen milden Geschmack.

Temperaturverhalten:
neutral

Geschmack:
süß

Funktionskreisbezug:
Milz, Magen, Dickdarm

Wirkrichtung:
tief

Wirkort:
Verdauungstrakt

Wirkungsweise:
abführend, blutdrucksenkend, Brechreiz verhindernd (antiemetisch), schmerzlindernd (analgetisch), Körpertemperatur absenkend (hypotherm), wirksam gegen Krämpfe (antikonvulsiv), tumorhemmend, gefäßerweiternd (vasodilatatorisch), appetitanregend, einflussnehmend auf die Psyche (psychotrop).

Die Aufnahme von Cannabinoiden, welche in den Samen und im Kraut enthalten sind, kann zu Euphorie mit übersteigerter Wahrnehmung von Sinneseindrücken, Veränderung des Zeit- und Raumgefühls und zu Halluzinationen führen. Die Fahrtüchtigkeit kann bis zu acht Stunden eingeschränkt sein. Eine Langzeitanwendung in hoher Dosierung kann Kehlkopfentzündung (Laryngitis), Bronchitis, Apathie, psychischer Verfall und Störungen der Genitalfunktionen zur Folge haben.

Traditionelle Verwendung:

  • Befeuchtung des Darms, Abführung;
    Anwedung bei Verstopfung im Alter (Obstipation im Senium), nach der Entbindung (post partum) und bei Kindern, Neigung zu Verstopfung (Obstipationsneigung) bei fiebrigen Erkrankungen, Verstopfung durch Xue-Schwäche;
  • Ergänzung der Säfte;
    Anwendung bei Verstopfung durch Yin-Schwäche;
  • Stützung und Nährung des Yin;
    Anwendung bei Verstopfung durch Yin-Schwäche;
  • Ableitung von Hitze und Heilung von Wunden;
    Anwendung äußerlich und innerlich bei Schrunden und Geschwüren;
  • Behandlung von Ekzemen, Verbrennungen und Geschwüren;
    Anwendung äußerlich und innerlich bei Schürfungen, Geschwüren.

Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
9 g bis 30 g; Standard 10 g

Kochzeit:
20 Minuten

Kombination mit anderen Arzneien der TCM:

  • Bei Verstopfung bei älteren Menschen oder nach der Entbindung, bei Säftemangel, Mangel (Defizienz) des Xue (Blut)
    zusammen mit Dang Gui (Angelica sinesnsis radix), Shu Di Huang (Rehmanniae radix preparata);
  • bei Verstopfung verursacht durch Hitze-Trockenheit oder Glut-Trockenheit in den Funktionskreisen Magen, Dick- und Dünndarm
    zusammen mit Ku Xing Ren (Armeniacae amarum semen), Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae radix alba), Zhi Ke (Citri aurantii fructus);
  • bei Geschwüren, Rötungen, Schmerzen im Mund durch Hitze im Funktionskreis Magen
    zusammen mit Jin Yin Hua (Lonicerae flos), Gan Cao (Glycyrrhizae radix)
  • Huo Ma Ren (Cannabis sativae semen) ist Bestandteil des nach dem alternativen Namen der Arznei benannten Kombinationspräparates Ma Zi Ren Wan.

Giftigkeit:
Eine Überdosierung kann zu Übelkeit (Nausea), Erbrechen, Durchfall (Diarrhö), Störungen der Herztätigkeit, Taubheit in den Gliedmaßen, Irritabilität,Bewegungstörung  (Chorea), Pupillenverengung (Miosis), schwere Fälle von Koma und zum Tod führen.

Schwangerschaft:
Während der Schwangerschaft sollte Huo Ma Ren (Cannabis sativae semen) nur mit Vorsicht angewendet werden.

Warnhinweis:

  • Nicht anwenden bei Durchfall!

Bitte beachten:
Der Anbau, der Besitz oder die Nutzung von Cannabispflanzen sind in einigen Ländern illegal. Das gilt aber nicht unbedingt für den Besitz und die Verwendung der Samen. Die im Handel erhältlichen gekochten Samen sind für den Anbau nicht geeignet.