Chai Hu – 柴胡 – Bupleuri radix

Die Wurzel des Chinesischen Hasenhohrs – Chai Hu (Bupleuri radix) – wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vorwiegend als eine Arznei zur Öffnung der Oberfläche und als Wind-Hitze zerstreuendes Medikament eingesetzt.
Erstmals erwähnt wurde Chai Hu im Shen Nong Ben Cao Jing.

Familie:
Umbelliferae (Doldengewächse)

Stammpflanze:
Bupleurum chinense D.C.

Deutscher Name:
Chinesische Hasenohrwurzel

Englischer Name:
Chinese Thorowax Root; Hare’s Ear Root; Kindling of the Barbarian

Vorkommen:
Chai Hu (Bupleuri radix) ist vor allem in den chinesischen Provinzen Anhui, Gansu, Hebei, Henan, Hubei, Jiangsu, Liaoning, Shaanxi und Sichuan zu finden.

Sammlung, Aufbereitung, Lagerung:
Die Hasenohrwurzel wird im Frühling und Herbst ausgegraben und anschliessend getrocknet. Sie ist gut belüftet und trocken lagern, sowie vor Insektenfrass zu schützen.

Temperaturverhalten:
neutral mit warmer Tendenz

Geschmack:
bitter

Funktionskreisbezug:
Leber, Gallenblase, Herzbeutel, Drei Wärmebereiche

Meldearznei:
Leber-Leitbahn, Herzbeutel-Leitbahn, Gallenblasen-Leitbahn, Drei-Wärmebereiche-Leitbahn

Wirkrichtung:
emporhebend

Wirkort:
Leitbahnen, Ohren

Wirkungsweise:
fiebersenkend, entzündungshemmend, hustenstillend, geschwürhemmend, blutdrucksenkend

Forschungsergebnisse:
Durch wissenschaftliche Untersuchungen konnte eine positive Wirkung auf das Immunsystem festgestellt werden. Eine antibiotische Wirkung (Mycobacterium tuberculosis!) ist ebenfalls belegt.
Besonders gute Resultate wurden in der Behandlung von Infekten der oberen Atemwege erzielt.
Im Tierversuch konnte eine hustenstillende Wirkung und eine leicht Blutdruck senkende Wirkung nachgewiesen werden.

Traditionelle Verwendung:

  • Senken von Fieber, Befreiung der Oberfläche; Anwendung bei
    Problemen des Shao Yang mit Wechsel von Schüttelfrost und Fieber, Malaria, Hitzewallungen;
  • Beseitigung von Hindernissen im Funktionskreis Leber, Anhebung des Yang, nach außen bringen des Qi; Anwendung bei
    Erkältungskrankheiten mit Fieber, bitterer Geschmack im Mund, Spannungsgefühl im Brustbereich und im Oberbauch, Schmerzen und Druck in den Flanken, Reizbarkeit, Erbrechen, Knoten in der Brust, Menstruationsprobleme
  • Anhebung des Qi des mittleren Caloriums; Anwendung bei
    Prolapse von Uterus und Anus.

Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
3 g bis 12 g; Standard 3 g

Kochzeit:
20 Minuten

Kombination mit anderen Arzneien der TCM:

  • bei Erkrankungen im Kleinen Yang mit Schüttelfrost und Fieber, bitterem Geschmack im Mund, trockenem Rachen, Benommenheit, Völlegefühl, Schmerzen in Brust und Flanken zusammen mit
    Huang Qin (Scutellaria baicalensis radix);
  • bei Schwindel, Benommenheit, Brustschmerzen, Rippenschmerzen, Menstruationsproblemen, Stagnation des Leber-Qi zusammen mit
    Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae alba), Dang Gui (Angelica sinensis radix), Chuan Xiong (Chuanxiong rhizoma/ Ligustici chuanxiong);
  • bei ziehenden Schmerzen in der Brust, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit
    zusammen mit Zhi Ke (Citri aurantii fructus);
  • bei Schmerzen zwischen den Rippen, Stagnation des Leber-Qi zusammen mit
    Chen Pi (Citri reticulatae pericarpium);
  • bei ziehenden Schmerzen in der Brust, Depressionsneigung, Menstruationsproblemen, Xue-Schwäche, Stagnation des Xue (Blut) zusammen mit
    Bo He (Menthae herba);
  • bei Hepatitis, Schmerzen im rechten Oberbauch zusammen mit
    Gan Cao (Glycyrrhizae radix);
  • bei Stagnation des Leber-Qi, Schwindel, Tinnitus, Schmerzen in der Brust, Schmerzen am Rippenbogen zusammen mit
    Dang Gui (Angelica sinensis radix), Bai Shao Yao (Paeoniae lactiflorae alba), Bai Zhu (Atractylodes macrocephala rhizoma).

Klassische Rezepturen:
Xiao Chai Hu Tang;
Xiao Yao San;
Bu Zhong Yi Qi Tang;
Chai Hu Shu Gan San

Verträglichkeit:

  • Die Wirkung wird gefördert durch Ban Xia (Pinelliae rhizoma).
  • Die Wirkung wird beschränkt durch Zi Wan (Asteris radix) und Li Lu (Veratrum nigrum).
  • Die Wirkung wird gestört durch Zao Jiao (Gleditsiae fructus).

Giftigkeit:
Gelegentlich kann die Anwendung von Chai Hu (Bupleuri radix) zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Bei großer Dosierung können wegen des Gehaltes an Saponin Gastroenteritis, Darmkolik und Durchfall auftreten.

Auf Grund von Todesfällen, die vermutlich durch eine Kombination von Buleuri radix mit Interferon bei einer Hepatitis-Therapie hervorgerufen wurden, sollte die gleichzeitige Anwendung mit Interferon vermieden werden!

Schwangerschaft:
Chai Hu (Bupleuri radix) sollte während der Schwagerschaft nur mit Vorsicht eingesetzt werden!

Warnhinweis:

  • Nicht anwenden bei Husten in Verbindung mit Yin-Schwäche, hochschlagendes Leber-Yang oder Glut im Funktionskreis Leber!
  • Bei großer Dosierung können wegen des Gehaltes an Saponin Gastroenteritis, Darmkolik und Durchfall auftreten.
  • Die verwandte Form Bupleurum longiradiatum, an den eng aneinander schliessenden Ringen auf der Oberfläche erkennbar, ist toxisch und darf nicht ersatzweise verwendet werden!