Xi’an – 西安市 – Die alte Kaiserstadt

Xi´an (西安市 – Xī’ān Shì – Stadt des westlichen Friedens) ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shannxi. Als eine der ältesten Städte Chinas wurde die Stadt zunächst unter dem Namen Chang’an (長安 – Cháng’ān – Langer Frieden) bekannt. Xi’an war früher die Hauptstadt und zugleich eine alte Kaiserstadt Chinas. Es ist die Stadt der Terrakotta-Armee und auch die Seidenstraße hatte hier ihren Ausgangspunkt.

Heute gehört Xi’an zu den bevölkerungsreichsten bebauten Gebieten und ist eines der wichtigsten kulturellen, industriellen und Bildungszentren der zentralen Nordwest-Region mit Einrichtungen für Forschung und Entwicklung, die nationale Sicherheit und Chinas Raumfahrt-Programm.

Geschichte

Xi’an ist eine der ältesten Städte Chinas mit einer mehr als 3.100 jährigen Geschichte. Unter der Qin-Dynastie (211 v. Chr bis 207 v. Chr.) war Xi’an die erste Hauptstadt des neu entstandenen Kaiserreichs China. Im Verlauf der nächsten 1120 Jahre war die Stadt immer wieder Hauptstadt eines Kaiserhauses meist jedoch unter dem Namen Chang’an (長安 – Cháng’ān – Langer Frieden). Doch das Chang’an zur Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) lag ungefähr fünf Kilometer nordwestlich des heutigen Xi’an und hatte etwa 240.000 Einwohner. Im Jahr 18 n. Chr. wurde die Stadt während des Aufstands der Roten Augenbrauen (赤眉之亂 / 赤眉之乱 – Chìméi Zhī Luàn), einem Bauernaufstand, zerstört. Daraufhin verlegte man die Hauptstadt nach Luoyang (洛陽市 – Luòyáng ), heute eine bezirksfreie Stadt in der chinesischen Provinz Henan.

Im Jahr 582 errichtete einer der Sui-Kaiser südöstlich der der Han-Stadt im Bereich des heutigen Xi’an eine neue Hauptstadt mit dem Namen Daxing. Damals und während der Tang-Dynastie (618 – 907) war es mit 88 km² nicht nur von der Fläche sondern auch mit der Zahl von einer Million Einwohnern die weltweit größte Stadt. Während der Tang-Dynastie erhielt die Stadt den Namen der alten Han-Metropole, Chang’an, zurück.

Erst im Jahr 1369 erhielt die Stadt ihren heutigen Namen durch den ersten Ming-Kaiser Hongwu, der seine Hauptstadt hierher verlegen wollte, sich jedoch letztendlich für Nanjing entschied.

1974 wurde Xi’an durch archäologische Ausgrabungen und der Entdeckung der Terrakotta-Armee mit mehr als 8000 lebensgroßen Soldatenfiguren weltbekannt. Sie gehört zu der Grabstätte des ersten Kaisers Chinas, Qin Shihuangdi (221 v. Chr – 209 v. Chr.).

Seit den 1990er Jahren bekam Xi’an als Teil der wirtschaftlichen Wiederbelebung des Inneren China vor allem für den zentralen und nordwestlichen Regionen eine wichtige kulturelle und industrielle Bedeutung.

Sehenswürdigkeiten

Soldaten der Terrakotta-ArmeeDie wohl wichtigste und berühmteste Attraktion dieser Stadt ist die Terrakotta-Armee, circa 28 km östlich der Stadt. Weiterhin lädt die 12 km langen nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer rund um das Stadtzentrum der alten Kaiserstadt zu einem Spaziergang ein. Auch der das Stadtbild prägende Glocken- und Trommelturm mit seiner typisch chinesischen Architektur ist einen Besuch wert. Für Abwechslung sorgt das muslimische Viertel. Es bietet einen orientalischen Markt und die Möglichkeit zahlreiche köstliche Gerichte des Orients zu probieren.

Die Stadtmauer sowie viele Gebäude und Parkanlagen sind abends bunt erleuchtet. Bei der Großen Wildganspagode finden abends große, musikalisch untermalte Wasserspiele statt.

Die Stadtmauer von Xi’an

Stadtmauer von Xi'anDie Stadtmauer von Xi’an ist die größte und weitgehend erhaltene Stadtmauer in China Sie zwischen 1374 und 1378 erbaut und in den 1980er Jahren restauriert und umschließt mit einer Gesamtlänge von 13,6 km die Innenstadt von Xi’an. Eigentlich ist sie ein ummauerter Erdwall mit einer Breite von 18 m am Sockel und 12 m an der Krone. Die 12 m hohe Mauer hat vier Tore, zu jeder Himmelsrichtung je eins, die früher mit Zugbrücken geschützt waren. Diese wurden morgens durch ein Signal des Glockenturms heruntergelassen und abends durch ein Signal des Trommelturms wieder hochgezogen.

Heute gibt es für den Verkehr weitere Öffnungen der Mauer. Ein früher abgerissenes Stück der Mauer in der Nähe des Bahnhofs wurde inzwischen überbrückt. Damit ist ein kompletter Rundgang auf der Stadtmauer von Xi’an möglich.

Der Glockenturm

Der Glockenturm von Xi'anDer große Glockenturm mit seinen drei charakteristischen grünen Dächern überragt die Stadt Xi’an. Er befindet sich im Kreuzungspunkt der beiden Straßen, die vom Nord- zum Südtor bzw. vom Ost- zum Westtor verlaufen. In früheren Zeiten, als die Stadtmauer nachts verschlossen war, wurde morgens durch den Schlag der Glocken das Herunterlassen der Zugbrücken an den vier Toren veranlasst. Der quadratische Pavillonbau thront auf einem 9 m hohen Sockel, beherbergt eine Sammlung von Glocken und Musikinstrumenten und wird inzwischen für Konzerte genutzt .

Der Trommelturm

Der Trommelturm von Xi'anDer 1380 errichtete Trommelturm befindet sich westlich vom Glockenturm am Rand des alten muslimischen Viertels. In seiner Funktion war der Trommelturm in früheren Zeiten das Gegenstück zum Glockenturm. Abends wurde von hier aus durch den Trommelschlag das Hochziehen der Zugbrücken an den vier Toren veranlasst. Heute wird der Turm für Ausstellungen genutzt.

Große Wildganspagode

Die Große Wildganspagode von Xi'anKaiser Gaozong (Tang-Dynastie) ließ die Große Wildganspagode (大雁塔 – Dàyàn Tǎ) im Jahr 652 im Hof des „Tempel der Großen Wohltätigkeit“ zum Gedenken an seine verstorbene Mutter errichten. In diesem noch heute existierendem Tempel Ci’en Si lebte der Mönch Xuanzang, der siebzehn Jahre lang durch Indien reiste. Dort den Buddhismus lernte er den Buddhismus kennen. Nach seiner Rückkehr richtete er in der Großen Wildganspagode sein Büro ein und übersetzte dort  hunderte der buddhistischen Schriften.

Die Pagode kann man besichtigen. In der ersten Ebene befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte der Pagode. Es soll Glück bringen, wenn man hier eine Münze aus dem Fenster wirft. Auch die Tempelanlage ist zu besichtigen. In der Haupthalle befinden sich drei Buddha-Statuen, die von 18 Luohan flankiert sind.

Die kleine Wildganspagode

Die Kleine Wildganspagode von Xi'anDie 43 Meter hohe Kleine Wildganspagode (小雁塔 – Xiǎoyàn Tǎ)  wurde von Kaiserin Wu Zetian zur Erinnerung an ihren verstorbenen kaiserlichen Gemahl im Jahr 684 zusammen mit einer Tempelanlage in Auftrag gegeben.

Die Bauarbeiten zu diesem „Tempel des Aufbewahrten Glücks“ begannen 100 Tage nach dem Tod des Kaisers Gaozong. Die Kleine Wildganspagode entstand in den Jahren 707 bis 709. Von den ursprünglich fünfzehn Stockwerken verblieben nach einem Erdbeben nur noch dreizehn.

In der Pagode wurden Sutras untergebracht, die über die Seidenstraße aus Indien nach Xi’an kamen.

Die Große Moschee

Die Große Moschee von Xi'anIm Jahr 742 während der Tang-Dynastie wurde die Große Moschee von Xi’an (西安大清真寺 – Xi’an Da Qingzhensi) erbaut. Sie ist eine der ältesten und berühmtesten Moscheen in China und befindet sich nahe dem Trommelturm (Gulou) in der Huajue-Gasse (Huajue xiang).

Anders als die meisten Moscheen im Nahen Osten oder in anderen arabischen Ländern wurde die Große Moschee von Xi’an in einem vollkommen chinesisch geprägten Bau- und Architekturstil errichtet. Die Moschee hat weder Kuppeln noch Minarette. Nur einige arabische Beschriftungen und Dekorationen lassen das Gebäude als muslimischen Gebetshalle erkennen. Noch heute wird sie von chinesischen Muslimen (hauptsächlich von Hui-Chinesen) als Gebetsort genutzt.

Der Xingjiao-Tempel

Der Xingjiao-Tempel (兴教寺 – Xīngjiào Sì) befindet sich in Shaoling Yuan 少陵原 (Großgemeinde Shequ 杜曲镇), im Stadtbezirk Chang’an 20 Kilometer südlich der Stadt. Er wurde 669 unter Kaiser Gaozong erbaut und war einer der acht berühmten Tempel von Fanchuan 樊川 in der Zeit der Tang-Dynastie.

In seiner fünfgeschossigen Pagode werden die sterblichen Überreste des berühmten buddhistischen Pilgermönchs und Übersetzers Xuanzang (玄奘; 603-664) aufbewahrt. Weiterhin befinden sich dort zwei kleinere Stupas (舍利塔 – shèlìtǎ) für seine Schüler Kuiji 窥基 und Yuance 圆测.

Der Tang-Kaiser Suzong hatte dem Stupa von Xuanzang den Namen „Xingjiao“ verliehen, daher hieß die nachher errichtete Tempelanlage auch „Xingjiao“. Suzongs eigenhändige Widmung ist noch heute am Stupa zu lesen.

Seit 1961 steht die Pagode des Xingjiao-Tempels (兴教寺塔 – Xìng jiào sì tǎ) auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.

Der Tempel ist einer der nationalen chinesischen buddhistischen Schwerpunkttempel.

Das Stelenwald-Museum von Xi’an

Nestorian-Stele im Stelenwaldmuseum Xi'anUnweit des Südtors befindet sich Stelenwald-Museum mit einer Sammmlung von mehr als tausend Steinsäulen, welche zum Gedenken an die verschiedensten Anlässe geschaffen wurden. Die älteste der Säulen stammt aus der Zeit der Han-Dynastie.

Die Tafeln sind voller chinesischer Schriftzeichen, die wahrscheinlich eher für Spezialisten interessant sind, doch es gibt auch Steinsäulen mit Illustrationen und Karten.

Die erste Halle beherbergt Stelen mit zwölf konfuzianischen Klassikern. Unter ihnen befindet sich das Buch der Gesänge (Shijing), das Buch des Wandels (Yijing oder I Ching) und die Analekten (Lunyu). Kaiser Wenzong aus der Tang-Dynastie ließ sie im Jahr 837 auf 114 Steintafeln schreiben. Sie sollten als Standard dienen, um zukünftige Fehler der Kopisten beim Abschreiben zu vermeiden.

Historisches Museum der Provinz Shaanxi

Dieses geräumige und moderne Museum ist eine der Hauptattraktionen der Stadt Xi’an und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen Chinas. Es beherbergt mehr als 370.000 Objekte, die von der frühen Zivilisation und langen Hochkultur Shaanxis zeugen. Gezeigt werden Jade-Kunstwerke aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., Reliefziegel aus dem Palast des Ersten Kaisers, ein 2000 Jahre altes Eisenzahnrad, altes Papier und Porzellan sowie Wandmalereien aus der Tang-Zeit. Auch einige der berühmten Terrakotta-Krieger sind hier ganz aus der Nähe zu betrachten. Die einzelnen Stücke werden gut präsentiert und die Beschriftungen sind auch in englischer Sprache gehalten.

Das jungsteinzeitliche Dorf Banpo

Das Dorf Banpo war in der Zeit von 4800 – 3600 v. Chr. besiedelt. Es gehört zeitlich gesehen zur jungsteinzeitlichen Yangshao-Kultur. Heute ist es eine wichtige archäologische Fundstätte und ein bedeutendes Museum, das im Stadtbezirk Baqiao (灞桥区) liegt.

Bereits zu dieser Zeit wurden Pflanzenfasern und Tierhaare zu Webfäden versponnen. Davon zeugen die gefundenen Webstätten. Keramikgefäße weisen geometrische Muster, einfache Schriftzeichen, aber auch künstlerische Abbildungen von menschlichen Gesichtern und Tieren wie Fischen und Hirschen auf. Eine strikte Rangordnung scheint es im Sozialgefüge der Banpos nicht gegeben zu haben.

Seit 1961 steht die Banpo-Stätte (半坡遗址 – Bàn pō yízhǐ) auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.

Die Pyramiden

Zu Chinas Pyramiden gehören etwa 100 Monumente. Die meisten der oftmals als Grabstätte genutzten Bauwerke sind in einem Radius von 100 Kilometern bei der Stadt Xi’an zu finden.

Das Nachtleben

Nicht vergleichbar mit den Bar- und Kneipenstraßen Beijings und Shanghais, gibt es auch in Xi’an eine Straße mit Kneipen, Bars, Teehäusern und Cafés. Die sogenannte Coffee Bar Street liegt parallel zur Nan Da Jie  und bietet jedem Vergnügungslustigen die Art von Unterhaltung, die er wünscht. Zudem gibt es im Stadtzentrum in der Nähe des Glockenturms einige Diskotheken und Bars (zum Teil mit Livemusik).

Wasserspiele von Xi'anDie Stadtmauer und viele Gebäude und Parkanlagen sind abends bunt erleuchtet. Bei der Großen Wildganspagode finden allabendlich große, musikalisch untermalte Wasserspiele statt.