Shaolin-Tempel – 少林寺 – Ursprung des Kung Fu

Der Shaolin-Tempel  (少林寺 – Shàolín Sì), auch Shaolin-Kloster genannt befindet sich 70 km südöstlich von Luoyang (洛阳 – Luòyáng), nördlich der Kreisstadt Dengfeng (登封 – Dēngfēng). Das Kloster ist mit Abstand das berühmteste Kloster Chinas und wird heute auch als “Tempel Nummer 1 unter dem Himmel” bezeichnet. Es ist für seine Kampfkünste, das Shaolin Kung Fu, sowie für Tai Chi und Qigong bekannt. Weiterhin soll hier ein indischer Mönch vor rund 1.500 Jahren die Grundlagen des Zen-Buddhismus geschaffen haben.

Der Name

Shaolin-TempelDer Name des Tempels lautet auf Chinesisch 少林寺 (Shàolín Sì)Die Shao () in „Shaolin“ bezieht sich auf den Shaoshi-Berg (少室山), einem der sieben Berge des Songshan-Gebirges (嵩山 – Sōng Shān), auf dem sich der Tempel befindet, hat aber auch die Bedeutung „jung / wenig“. Das Wort Lín () bedeutet „Wald“. Das Wort Sì (寺) bedeutet „Kloster / Tempel“. Der Taijiquan Meister Zhang Zuyao übersetzte „Shaolin“ jedoch als „junger (neuer) Wald“ oder „kleiner Wald“. Diese neuere Übersetzung ist heute allgemein anerkannt.

Die Geschichte

Im Jahr 495 wurde der in Indien geborene Mönch Batuo  (跋陀 – Bátuó), in chinesischen Quellen auch Fotuo (佛陀 – Fótuó) genannt, von Kaiser Xiao Wen (孝文帝 – Xiào Wén Dì) (471-499) der nördlichen Wei-Dynastie mit Geldmitteln ausgestattet, um im Songshan-Gebirge in der heutigen Provinz Henan den Shaolin-Tempel zu errichten. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Kloster zu einem Zentrum der Buddhistischen Lehre. Er gründete eine Übersetzungsakademie zur Übertragung der Sutren aus dem Sanskrit ins Chinesische.

Der Legende kam das Jahr 527 kam der indische Mönch Bodhidharma (chinesisch 菩提達摩 – Pútídámó), in das Shaolin-Kloster und lehrte als Begründer und erster Patriarch des Chan- bzw. Zen-Buddhismus die Grundlagen der Shaolin-Kampfkunst, die dann im Kloster weiterentwickelt und überliefert wurden.

Die Shaolin-Mönche erlangten während der Tang-Dynastie (618 bis 907) im chinesischen Reich großes Ansehen. Historisch belegt ist, dass im Jahre 728 das Shaolin-Kloster 13 kämpfende Mönche entsandte, um die bedrängte Dynastie zu unterstützen. Aufgrund der guten Dienste dieser Mönche, wurden dem Kloster einige Privilegien zugestanden, unter anderem einige Mönche als Krieger auszubilden.

Shaolin-Wushu-WandbildWährend der Ming-Dynastie (1368-1644) erlebte das Shaolin-Kloster einen enormen Aufschwung und erreichte seine Blütezeit. Die Armee des Klosters, die die Kampfkünste des Klosters in unzähligen Varianten und Techniken ausgeübte, wuchs auf etwa 2.500 Mann an.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tempel mehrere Male zerstört, geplündert und wieder aufgebaut. Ein der Zerstörungen erfolgte im Jahre 1928, als verschiedene Kriegsfürsten ihre Streitigkeiten auf dem Gebiet des Tempels ausfochten. Dabei ging ein großer Teil der religiösen Kunstschätze und Schriften des Tempels verloren. Danach wurde der Tempel nur in kleinen Teilen wieder aufgebaut.

Nach der Gründung der Volksrepublik China durch Mao Zedong im Jahre 1949 ließ man die Mönche anfangs gewähren. Doch im Laufe der Kulturrevolution ab 1966 wurde der Tempel zerstört und die Mönche verfolgt und vertrieben. Jahrelang wohnten nur einige wenige Mönchen in den Ruinen des Klosters. Im Jahr 1982 wurde der Tempel durch den Film Shaolin Temple mit Jet Li im Westen bekannt und auch für den Tourismus entdeckt. Die chinesische Regierung ließ den Tempel wieder aufbauen und erlaubte, im Zuge einer allgemeinen Liberalisierung der Religionsausübung auch den buddhistischen Mönchen, dort wieder legal zu praktizieren.

Heute hat das Kloster jedoch seine Mystik an die aufdringliche Kommerzialisierung verloren. Entsprechend unklösterlich ist der Rummel rund um den Tempel. Das Shaolin Kung Fu hat sich hier zu einer lukrativen Industrie entwickelt, die Schüler nicht nur aus China, sondern aus der ganzen Welt anzieht.

Die Schulen des Kung Fu

Wer heute nach Schulen des Kung Fu, sogenannten Wushu-Schulen, sucht wird in der Nähe des Shaolin-Tempels nur  die staatliche Wushu-Shule „Wushu Guan“, die als Teil des Tempels tätig ist, finden. Bis 2001 waren in der direkten Umgebung des Tempels zahlreiche Kampfkunstschulen zu finden, die nur wenig Verbindung zum Tempel hatten, sich aber mit dem Namen „Shaolin“ schmückten. Nach Ansicht des Abts des Klosters Shi Yongxin förderten diese Schulen zwar den Bekanntheitsgrad des Klosters, schädigten aber auch die traditionellen Werte, weil diese Schulen keinerlei Verbindung zum Kloster hatten. Deshalb ließ er im September 2001 mit dem Einverständnis mit der chinesischen Regierung fast alle Wushu-Schulen in Shaolin enteignen und abreißen. Die betroffenen Schulen, deren Grundstücke dem Staat gehörten wurden mit entsprechenden Grundstücken im 13 Kilometer entfernten Dengfeng (登封 – Dēngfēng) entschädigt. Auch heute haben sie nur wenig bis gar keine Verbindung zum Tempel und werden sehr kommerziell geführt. Wer also neben der Kampfsportausbildung auch das spirituelle Leben der Shaolin-Mönche kennen lernen und studieren möchte, wird mit Sicherheit enttäuscht sein.

Der Tourismus

Das Shaolin-Kloster ist mit seiner Umgebung heute auch eine Touristen-Attraktion. Vor der Wushu-Guan-Schule finden stündlich Vorführungen der Kampfkünste statt. Im vorderen Bereich des Tempels selbst wurde ein Servicebereich „Shaolin The Stage of Joy“ mit Souvenirläden, einem Tourismusbüro sowie einem Restaurant eingerichtet. Der Abriss der Schulen sowie der Aufbau einer zentralisierten Infrastruktur mit Wushu-Schule, eigenem Merchandising und Gastgewerbe werden von Beobachtern teils als Hinweis auf eine kommerzielle Ausrichtung des Shaolin-Klosters gedeutet.

Die Sehenswürdigkeiten

Shaolin-Tempel - PagodenwaldDas heutige Aussehen erhielt er Tempel erst seit den 1980er Jahren. Kunsthistorisch sind nur zwei Hallen von Bedeutung: die hinterste wegen ihres Wandbildes aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644), das die „500 Luohan bei der Verehrung des Vairocana-Buddha“ zeigt, sowie davor die rechte Seitenhalle, in der ein weiteres Wandbild den Kampfeinsatz der Mönche für den Tang-Dynastie-Gründer Li Shimin illustriert. Bedeutender ist der 500 m taleinwärts gelegene Pagodenwald, der Friedhof der Shaolin-Mönche mit 220 bis über 1.000 Jahre alten Grabpagoden. Das Interessanteste jedoch sind die Vorführungen der Wushu-Guan-Schule.