Qing-Dynastie

Während der letzten Dynastie Chinas, der Qing-Dynastie von 1644 bis 1911 wurde China zum größten und reichsten Land der Erde. Unter den drei bedeutenden Kaisern Kangxi, Yong Zheng und Qianlong wurde Chinas Herrschaftsgebiet ausgedehnt und der Konfuzianismus zur Staatsphilosophie. Der Staat hatte die höchste Autorität inne und jeder musste sich ihm und dem Kaiser unterwerfen. Zum Zeichen der Unterwerfung mussten alle Chinesen den Mandschu-Zopf tragen.

Im Zuge innerer Unrhuen und Aufstände während der untergehenden Ming-Dynastie marschierte Li Zicheng, ein ehemaliger Schafhirte und einer der Anführer der Aufständischen im Norden, mit seinen Truppen in Beijing ein. Der letzte Kaiser der Ming-Dynastie, Chong Zhen erhängte sich. Die Wirren dieser Zeit nutzen die Mandschu, ein Verband von Stämmen aus dem Norden jenseits der Großen Mauer, aus um ihr Einflussgebiet zu erweitern. In nur wenigen Jahrzehnten brachten sie ganz China unter ihre Herrschaft und begründeten die Qing-Dynastie der Mandschu.

Die Herrscher der Quing-Dynastie passten sich in vielem der chinesischen Zivilisation an. Sie setzten die chinesischen Traditionen fort und förderten die Kunst und Wissenschaft. Jedoch waren die Chinesen nicht den Mandschu gleichgestellt. Sie mussten sich nach Art der Mandschu kleiden und als sehr charakteristisches Merkmal dieser Zeit einen langen Zopf, den sogenannten Mandschu-Zopf, tragen. Die Heirat zwischen Chinesen und Mandschu war streng verboten.

Das chinesische Reich erreichte während der Quing-Dynastie seine größte Ausdehnung und umschloss das chinesische Zentralasien, Taiwan, die Mongolei und Tibet.

Unter Qianlong, dem sechsten Kaiser der Qing-Dynastie, der von 1736 bis 1796 regierte, wurde die Basis für die Sammlung der 1,7 Millionen Kunstwerke, die sich heute in den Palastmuseen von Beijing und Taipeh befinden, gelegt. Auch eine Sammlung von über 312 000 geschriebener Werke entstand auf seinen Befehl.

Die ins Land gekommenen Engländer vergrößerten immer mehr ihren Einfluss. Der technische Fortschritt des Westens stellte die chinesische Kultur schnell ins Abseits. Durch die beiden Opiumkriege (1839-1842 und 1856-1860) erzwangen die Engländer eine weitgehende Öffnung des Landes für den Handel, die Abtretung von Hong Kong, die Öffnung der fünf bedeutendsten Häfen, das Recht der Christen in China Eigentum zu besitzen und die chinesische Bevölkerung zu missionieren und die Eröffnung von Botschaften für Großbritanien, Frankreich, Russland und die USA in der bis dahin geschlossenen Stadt Beijing.

Viele Chinesen wollten den wachsenden europäischen Einfluss und die damit verbundenen Erniedrigungen nicht weiter hinnehmen. Sie schlossen sich in einer Geheimgessellschaft für Frieden und Gerechtigkeit zusammen, die im Westen unter dem Namen „Boxer“ bekannt wurde. Ihre Aktivitäten richteten sich vor allem gegen ausländische Kaufleute und Missionare. 1900 kam es dann zu einem offenen Aufstand, der von den europäischen Truppen niedergeschlagen wurde und als Boxeraufstand in die Geschichte einging.

Das Ende der Qing-Dynastie wurde durch die Witwe des Kaisers Xian Feng, Cixi (1835-1908) eingeleitet. Sie war neben der Tang-Kaiserin Wu Zetian die mächtigste Frau in der Geschichte Chinas. Kaiser Xian Feng starb 1861 und hinterließ einen minderjährigen Sohn. Als dieser auf den Thron folgte, übernahm seine machtgierige Mutter wie nach einem Staatsstreich die Regentschaft. Sie vertrat eine stark reaktionäre Politik unter jede Reform. Sie hasste die inzwischen ins Land gekommen „weißen Barbaren“, die Europäer, unterstützte den Boxeraufstand und trug so maßgeblich zum Untergang der Qing-Dynastie bei.

In der Folge kam es zu inneren Unruhen und Aufständen. Naturkatastrophen trugen ihren Teil zur Verschlechterung der Lage bei. 1911 kam es unter der Führung von Sun Yatsen zur Revolution, die ganz China erfasste. Der als dreijähriger auf den Thron gekommene letzte Kaiser der Qing-Dynastie und der chinesischen Geschichte überhaupt, Pu Yi, musste abdanken und es wurde die Republik ausgerufen. Damit war nicht nur die 268 Jahre dauernde Qing-Dynastie zu Ende, sondern auch die über zweitausendjährige Geschichte des chinesischen Kaiserreiches.