Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Der schrittweise Übergang zu einer immer stärkeren marktwirtschaftlichen Orientierung hat große Wachstumskräfte in China freigesetzt. Die konsequente Wachstumspolitik hat eine Aufbruchstimmung und damit Eigendynamik geschaffen, die angesichts der Größe Chinas und seines Aufholpotentials noch lange anhalten könnten. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Zuwachsraten zwar zeitweise etwas zurückgegangen, doch meldet die Volksrepublik mit 10,3 Prozent im Jahr 2010 und prognostizierten 9,6 Prozent im Jahr 2011 (IMF) wieder beeindruckende jährliche Wachstumsraten. China ist inzwischen die zweitgrößte Handelsnation der Welt und hat im Laufe des Jahres 2010 Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft überholt. Mittlerweile hat China ein durchschnittliches Pro-Kopf-Inlandsprodukt von 4.530 US-Dollar (2010) und bleibt damit das das größte Schwellenland mit großen regionalen Unterschieden im Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung.

Auch nach 30 Jahren der „Reform- und Öffnungspolitik“ befindet sich China noch im Umbau von einer primär landwirtschaftlichen zu einer Industrie- und Dienstleistungswirtschaftund von einer geschlossenen zu einer offenen Wirtschaft. Der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) Ende 2001 stellt nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung Chinas und der WTO-Mitglieder zur Wiedereingliederung des Riesenlandes in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung ihres Landes und seiner Eingliederung in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft. Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen.

China steht unverändert vor gewaltigen Aufgaben: ca. 713 Millionen Menschen (National Bureau of Statistics 2009) leben auf dem Lande, von denen noch über die Hälfte in ihrer wirtschaftlichen Existenz von der Landwirtschaft abhängt. Die Landwirtschaft trägt aber nur noch zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Ihr Anteil sinkt, während die Anteile von Industrie (47 Prozent) und Dienstleistungen (43 Prozent) langfristig steigen.