Tiefwasserhafen Yangshan

Einbruch der chinesischen Exporte

Zum Jahresbeginn ist der Handel in der Volksrepublik China spürbar zurückgegangen. Wie die chinesische Zollverwaltung bekanntgab, verringerten sich die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,2 Prozent.  Auf der Seite der Einfuhren belief sich der Rückgang auf 18,8 Prozent.

Diese Zahlen sich bedeutend schlechter als Analysten zuvor erwarteten. Sie gingen von einem leichten Rückgang von 1,9 Prozent bei den Exporten und 0,8 Prozent bei den Importen aus.

 
 Die Börsen verhielten sich dieser Nachricht gegenüber recht unbeeindruckt und eröffneten nach einer einwöchigen Pause wegen der Feiertage zum chinesischen Neujahr mir einem nur leichtem Minus. Allerdings sind wegen dieser Feiertage wirklich aussagekräftige Analysen erst im Februar zu erwarten.
Doch weil im gesamten letzten Jahr die Handelsszahlen stärker als erwartet sanken, sind viele Wirtschaftsexperten beunruhigt. Das Minus betrug 8 Prozent, während die chinesische Regierung nur einen Rückgang von sechs Prozent plante.

Abkühlung der Konjunktur

23.10.2015
China hält die Wirtschaft und die Finanzmärkte der Welt seit Monaten in Atem. Wirtschaftsfachleute befürchten einen drastischen Abschwung, exportorientierte Unternehmen sorgen sich vor einem Absatzeinbruch und Anleger schauen auf Kursstürze an der Börse. Doch die aktuellen Zahlen sorgen für Erleichterung.

Den Statistikern in Peking zufolge, ist die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal 2015 um 6,9 Prozent gewachsen. Das ist weniger als das offizielle Ziel von 7,0 Prozent und auch weniger als in den beiden Quartalen davor, als diese Zahl exakt getroffen wurde. Trotzdem ist das Wachstum höher, als die Befürchtungen erwarten ließen. Für westlichen Industrienationen sind solche Wachstumsraten ohnehin unerreichbar. Eine Krise scheint abgewendet zu sein, vorerst.

Die magische Grenze

Jedoch wurde mit 6,9 Prozent erstmals die magische Grenze von sieben Prozent nach unten durchbrochen. Weiterhin zweifeln viele Beobachter an der Verlässlichkeit dieser Zahl. Julian Evans-Pritchard, China-Experte bei Capital Economics in Singapur meint dazu „China überzeichnet sein Wachstum weiterhin. Die offiziellen Zahlen sind nur noch ein schlechtes Maß dafür, wie es wirklich um die chinesische Wirtschaft steht.“

Die Frage ist daher, wie es wirklich um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steht. Einen Hinweis darauf geben die Daten der chinesischen Statistikbehörde selbst. Denn die 6,9 Prozent bezeichnen das reale Wachstum. Dieses wird berechnet, indem vom nominalen Wachstum der sogenannte Deflator abgezogen wird, vereinfacht gesagt die Inflationsrate. Normalerweise liegt das nominale Wachstum über dem realen, da die Preise meist steigen.

Doch im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft in der Volksrepublik nominal nur um 6,2 Prozent, im Quartal davor waren es noch 7,1 Prozent. Um nun auf 6,9 Prozent zu kommen, musste eine Inflationsrate folgerichtig von minus 0,7 Prozent angesetzt werden. Das würde aber bedeuten, dass China tief in einer Deflation (einer Phase der sinkenden Preise) steckt. Zumal die Statistiker Im vorangegangen Quartal ein Deflator von plus 0,1 Prozent herangezogen.

Chinas Statistiker stehen hinter ihrer Regierung

Wie verlässlich diese Berechnungen sind, lässt sich nur schwer überprüfen. Carsten Holz, Professor für Sozialwissenschaften an der Hongkong University of Science and Technology, nimmt an, dass die Behörde diesen Deflator als Stellschraube benutzt, um die Wachstumsraten zu „glätten“. Denn Chinas Statistikbehörde ist nicht unabhängig. Ihre Chefs sind durchweg Parteifunktionäre. „Und wenn die Parteispitze ein Wachstum von sieben Prozent anstrebt, dann wissen die Kader, was zu tun ist“, sagt Holz. Das die Berechnung des Wachstums nun offiziell erstmals nach internationalen Standards vollzogen wurden, ändert an dieser Tatsache nicht viel.

Bemerkenswert ist, dass die Statistiker nicht wie in den beiden vorangegangenen Quartalen am Ende auf einen Wert von exakt sieben Prozent kamen, sondern nur noch auf 6,9 – obwohl es ein leichtes gewesen wäre, den Deflator einen Zehntel Prozentpunkt höher anzusetzen. Möglicherweise will die chinesische Führung die Welt auf dauerhaft niedrigere Wachstumsraten einstimmen. Ende nächster Woche kommt in Peking das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas zusammen, um den neuen Fünfjahrplan (2016–2020) zu beraten. Beobachter gehen davon aus, dass in diesem Zusammenhang das offizielle Wachstumsziel weiter auf 6,5 oder sogar auf sechs Prozent abgesenkt wird. Dafür wird nun der Boden bereitet.

Effektive Reformen sind dringend nötig

Doch auch ein Wachstum von 6 oder 6,5 Prozent sind nur erreichbar, wenn die Regierung entschlossen weitere Reformen auf den Weg bringt. Das ist leichter gesagt als getan, meint Charlie Lay, Ökonom und Stratege für Asien bei der Commerzbank. „Die Wirtschaft des Landes ist träge, wie ein großes Schiff braucht sie sehr lange, um den Kurs zu ändern“. Dringend nötig sei beispielsweise eine Reform der staatlichen Betriebe. Sie müssten effizienter und die Manager müssten verantwortlich für den Erfolg des Unternehmens werden. Ideal wäre dafür eine Privatisierung der Betriebe.

 

Doch besonders diese Reform steht seit Jahren auf dem Plan, ohne dass bislang viel passiert wäre. Dabei machen diese Betriebe noch immer einen großen Teil der Wirtschaft aus. Lay befürchtet deshalb, dass die wirtschaftliche Lage erst noch deutlich kritischer werden muss, bevor auf diesem Gebiet etwas passiert. „Die Krise in China ist wahrscheinlich noch nicht schmerzhaft genug, um drastische Reformen durchzusetzen.“

Weniger Wachstum lässt Finanzsystem wanken

Viele Experten verweisen bei einem geringeren Wachstum auf die Gefahr sozialer Unruhen, wenn der wirtschaftliche Aufstieg für die Menschen in China schwieriger wird. Noch mehr dürften die großen Ungleichgewichte der chinesischen Wirtschaft ins Gewicht fallen. Die Schuldenlast vieler Unternehmen ist erdrückend hoch. Eine starke ökonomische Abschwächung könnte aus diesem Grund einen finanziellen Kollaps hervorrufen.

Nachdem der Aktienmarkt in den vergangenen Monaten schon einen veritablen Crash hingelegt hat, wäre das ein dramatisches Problem.  Zumal sich die Börsen in den vergangenen Wochen gerade erst wieder ein wenig erholt haben. Seit Anfang Oktober sind die Kurse immerhin wieder um rund zehn Prozent gestiegen. Mit der Zahl von 6,9 Prozent verweist die Pekinger Führung daher darauf, dass es nicht mehr so wunderbar gut wie in der Vergangenheit läuft. Aber die Regierung signalisiert auch, dass das Wachstum trotzdem ungebrochen ist. Die Welt ist bereit dies zu glauben.