Qingdao – 青岛 – Grüne Insel

Die „Grüne Insel“, so die wörtliche Übersetzung des Städtenamens Qingdao (Qīngdǎo; 青岛, tradionelle Schreibweise 青島), ist eine Hafenstadt in der Provinz Shandong im Osten der Volksrepublik China. In den Jahren 1898 bis 1914 war Qingdao als deutscher Handelsstützpunkt und Kolonie Teil des Deutschen Reichs. Aus dieser Zeit stammt der deutsche Name der Stadt „Tsingtau“ oder „Tsingtao„, der durch anderes Transkriptionssystem entstanden ist. 2008 wurden vor der Küste Qingdaos  die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele ausgetragen.

Erbe aus der deutschen Kolonialzeit

China Shandong QingdaoAus Qingdao ist heute eine Millionenstadt mit über acht Millionen Einwohnern geworden. Viele alte Kolonialbauten müssen noch heute dem anhaltenden Bauboom weichen. Bis in die 1990er Jahre wurden viele von ihnen abgerissen, weil sie als Schandmal der Kolonialgeschichte galten. Trotzdem sind die bedeutendsten Gebäude von damals erhalten geblieben und von der Stadt geschützt. Von der deutschen Kolonialzeit sind noch die Gouverneursvilla, die evangelische Kirche, die katholische Kathedrale (vollendet erst 1934), der Zhan Qiao Pier, Teile des zu besichtigenden deutschen Bunkersystems und einige weitere Kolonialbauten erhalten. Allerdings wurde das einzigartige Panorama der Stadt durch Hochhausbauten teilweise zerstört.

QingdaoHeute ist man in Qingdao stolz auf das architektonische Erbe aus der deutschen Kolonialzeit. Viele der Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden sich im Deutschen Viertel (German Concession). Es liegt im Südwesten der Stadt zwischen Tai’an Lu und dem Xiaoyu-Shan-Park. Die Wertschätzung für den deutschen Baustil geht heutezutage so weit, dass in mehreren Neubaugebieten abweichend von der üblichen Hochhausbauweise vorwiegend mittelhohe, „deutsch“ aussehende Wohnhäuser in die grüne Landschaft eingepasst wurden. Um neue Bauflächen zu schaffen, wurden zahlreiche Hügel im Stadtgebiet eingeebnet.

Lebenswert und Glücklich

Zwischen den monotonen Industriestädten und der farbenfrohen Hafenstadt auf der Halbinsel Shandong liegen Welten. Der Charme Qingdaos rührt nicht zuletzt von den kopfsteingepflasterten Straßen, den mit Bäumen gesäumten Allen und den roten Dächern. Im Jahr 2009 wurde Qingdao bei einer jährlich stattfindenden Auswahl von einem in Hongkong ansässigen Institut zur lebenswertesten Stadt in Festlandchina gewählt. Weiterhin ermittelte das chinesische Institut für Wettbewerbsstärke 2012, dass Qingdao die glücklichste Stadt Chinas sei.

 

Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Qingdao ist einer der wenigen bedeutenden Badeorte der Volksrepublik China. Die Deutschen gaben der Stadt während der Kolonialzeit den Beinamen „Neapel am Gelben Meer“.

Der von den Deutschen erbaute Bahnhof mit Turm war der Endbahnhof der ebenfalls von ihnen errichteten Bahnlinie zur Provinzhauptstadt Ji’nan. Am Ende des Zhan-Qiao-Piers befindet sich der von dem Label des bekannten Tsingtao-Biers bekannte achteckige Huilai-Pavillion. In ihm finden heutzutage Ausstellungen des Kunsthandwerks statt.

Die 1934 fertiggestellte katholische St.-Michael-Kirche (天主教堂 – Tiānzhǔ Jiàotáng; 15 Zheijiang Lu, tgl. 08:00 bis 17:00 Uhr, Gottesdienste So. 6, 8, 18 Uhr) überragt mit ihren Zwillingstürmen ein schönes Viertel mit Kopfsteinpflaster und Zierbalkonen.

Im Xinhao-Shan-Park weiter östlich befindet sich der 1903 erbaute Gouverneurspalast, welcher heute das Ying-Hotel beherbergt. In diesem Hotel weilten beispielsweise schon Yuan Shikai und 1957 auch Mao Zedong mit seiner Frau und seinen Kindern, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Der Gouverneurspalast selbst ist eines der extravagantesten deutschen Regierungsgebäude zur Zeit Kaiser Wilhelm II. und kostete 2.450.000 Silbertaler.

Weiter südlich befindet sich das Qingdao-Museum (27 Meiling Lu, tgl. geöffnet). Hier sind einige große, steinerne Buddhastauen aus den Jahren um 500 und zahlreiche Malereien aus der Yuan- und Ming-Dynastie zu sehen.

Die 1910 fertiggestellte Protestantische Kirche (基督教堂 – Jīdū Jiàotáng; 15 Jiangsu Lu, tgl. 08:30 bis 17:00 Uhr, Gottesdienst So.) mit ihrem charakteristischen Uhrenturm und den sandsteingelben Wänden befindet sich in südöstlicher Richtung. Der neununddreißig Meter hohe Uhrenturm ist ab und zu für Besichtigungen geöffnet.

Wer gern am Meer spazieren geht, dem sind die Strände im Südosten der Stadt zu empfehlen. Während Number 1 Beach der längster der Strände ist Number 2 Beach der wohl attraktivere, sauberere, und ruhigere Strand. Von dort aus gelangt man zu Huashi Lou, das früher von russischen Emigranten bewohnt wurde. Nördlich davon befindet sich das Badaguan-Viertel (八大关 / Bādàguān) mit vielen schönen Villen, Sanatorien und Alleen.

Ungefähr dreißig Minuten mit dem Boot oder dem Bus gelangt man zu Huang Dao, (Huáng Dǎo – 黄岛 – Gelbe Insel). Der Strand hier ist ruhiger und sauberer als die Stände in Qingdao. Die Fähre startet vom Qingdao Fährenterminal (Qīngdǎo Lúndù zhàn – 青岛轮渡站) westlich des Bahnhofs. Die erste Fähre legt um 06:30 Uhr ab und die letzte Fähre ist um 21:00 Uhr zurück.

Lao Shan

In der ungefähr vierzig Kilometer von Qiangdao entfernten Bergregion Lao Shan, die in der daoistischen Mythologie eine wichtige Rolle spielt, befindet sich der während der Song-Dynastie für daoistische Totenrituale errichtete Tempel der höchsten Reinheit. Von ihm aus führen verschiedene Wege zu Gipfel. Ungefähr ab der Hälfte des Weges kann man sich entscheiden die Stufen hinaufzusteigen oder die Seilbahn zu benutzen.

Früher waren in der Region um Lao Shan zahlreiche daoistische Tempel zu finden. Doch die meisten überdauerten die Zeit nicht. Der bekannteste erhaltene Tempel aus der Song-Dynastie ist Taiqing Gong. In seiner Nähe lebte einst der Dichter Pu Songling (1640-1715). Einige Wanderwege, die an weiteren Tempeln, Höhlen und Wasserfällen entlangführen, laden zu einem Tagesaufenthalt ein. Heute ist die Region auch durch das für das Tsintao-Bier wichtige Quellwasser bekannt.

 

Tsingtao – Chinas bekanntestes Bier

Tsingtao-Bier„Tsingtao“ ist auch heute noch der Name des Biers, das die Küstenstadt weltweit bekannt machte. Die heute größte Brauerei der Volksrepublik China wurde im Jahr 1903 von deutschen Siedlern als Germania-Brauerei in Kiautschou, heute Jiaozhou (Jiāozhōu – 膠州 / 胶州), gegründet. Heute schwörte man noch immer auf das zur Herstellung verwendete Quellwasser des Lao Shan und exportiert das Bier in mehr als 40 Länder.

China ist heute der am schnellsten wachsende Biermarkt der Welt. Deshalb investieren auch viele internationale Brauereien in Joint Ventures und erhöhen damit den Kokurrenzdruck. Vor kurzem war Tsingtao-Beer noch das beste und teuerste Bier Chinas und errang viele Auszeichnungen:

  • Gold-Medaille, München Bier-Expo 1906
  • Bronze-Medaille, Pils, Bier-Weltmeisterschaft 1993
  • Silber-Medaille, Pils, Bier-Weltmeisterschaft 1994
  • Gold-Medaille, Chefs in America Award
  • Silber-Medaille, Bier-Weltmeisterschaft 2003

Jährlich im August findet in Qingdao ein Bierfest statt. Während dieser Zeit arrangiert das Tourist Office auch Brauereiführungen.

Kulinarische Spezialtäten

Eine ganz besondere Spezialität aus Qingdao ist Liangfen ein spezielles Seealgengelee, das bei Frauen als uralte Diätspeise beliebt ist. Man kann es in bester Qualität auf dem Tuan Dao Market, der ersten Adresse für Meeresfrüchte, kaufen. Dieses besondere Gelee wird aus Seealge direkt vor der Küste Qingdaos gewonnen. Anschließend werden die Algen mit Wasser ungefähr drei Stunden lang ohne weitere Zusätze gekocht. Die Flüssigkeit wird anschließend zum Erkalten in Schalen gegeben und verfestigt sich während des Erkalten. In dieser reinen Form bekommt man es nur auf dem Tuan Dao Market. Die Farbe des Gelees ist gelblich braun. Es schmeckt nach Meer mit einer mineralischen Note. Als diätisches Nahrungsmittel dient das Gelee aus Seealgen der Darmreinigung, der Entschlackung, als Nahrungsmittel während einer Diät und als Mittel gegen Arterienverkalkung.