Kalligrafie in China

Die Kalligrafie ist die Kunst des schönen Schreibens. Als eine der „drei Künste“ genießt die Kalligrafie neben der Malerei und der Dichtkunst in China bis heute ein hohes Ansehen und gilt als die reinste aller Künste. Hierbei ist nicht der Inhalt des Geschriebenen wichtig sondern die Art und Weise wie die Zeichen auf das Papier gebracht werden. In China ist man davon überzeugt, dass sich in der Schrift der Charakter und der Geist des Schreibers widerspiegeln.

Die chinesische Schrift entstand vermutlich am Anfang des zweiten Jahrtausend v. Chr. und wurde zunächst auf Knochen, später auf Bronzegefäße aufgetragen. Mit der Erfindung des Schreibpinsels um 1000 v. Chr. schrieb man auf Bambustafeln, vom zweiten Jahrhundert v. Chr. an auf Seide und seit 105 n. Chr. auf Papier.

Zunächst waren die chinesischen Schriftzeichen Teil einer Bildschrift. Jedes Zeichen stellte ein Wort dar. Um auch Begriffe, die man nicht bildlich ausdrücken kann, schreiben zu können, kamen bald auch Lautzeichen hinzu. So bestehen die heutigen chinesischen Schriftzeichen aus einem bedeutunggebenenden Teil und einem lautgebenden Teil. Jedes Schriftzeichen steht für eine Silbe.

Wang Xizhi schuf im vierten Jahrundert unserer Zeitrechnung die wohl berühmteste Kalligraphie von der zahlreich Kopien angefertigt wurden. Einige dieser Kopien existieren noch heute. Das Original soll dem Tang-Kaiser und leidenschaftlichen Sammler Teizong dreihundert Jahre später mit ins Grab gelegt worden sein.

Als Sohn einer reichen, adligen Familie wurde Wang Xizhi in der Provinz Shandong geboren. Er wurde mit 23 Beamter des Hofes, hatte mehrere Posten inne und wurde mit 46 als Militärbefehlshaber in den Krieg gegen die im Norden eindringenden Nomaden geschickt. Danach zog er sich zurück und lebte bis zu seinem Tod im Alter von 59 Jahren in der Abgeschiedenheit der Berge. Dort schuf er den Großteil seiner Kalligrafien.

Für die Kalligrafie verwendet man Pinsel und Tusche, die aus einem Stück Presstusche in einem flachen, vertieften Stein verrieben und mit Wasser vermengt wird. Im alten China stampfte man zur Herstellung der Tusche Jade, Perlmutt, Moschus und zehn weitere Bestandteile, die die Härte und Halbarkeit erhöhen und eingenehmen Geruch geben in einem Mörser. Der Ruß verbrannter Kiefernzweige färbte das so entstandene weiße Pulver schwarz. Zusammmen mit Leim wurde das gemisch zu vierkantigen Stäbchen oder Täfelchen geknetet. Heute kann man fertige Tusche auch in Fläschchen kaufen. Es gibt sogar Schreibpinsel mit Tuschepatronen.

Für die Kalligrafie verwendet man im allgemeinen Reispapier. Dieses ist sehr saugfähig und erfordert dadurch eine schnelle Arbeitsweise um ein Verlaufen der Tusche zu verhindern.

Auch in den heutigen Tagen gibt es junge Menschen, die sich der Kalligrafie verschrieben haben. Um dies Kunst zu erlernen ist es in China Tradition, die Bilder alter Meister immer und immer wieder zu kopieren bevor man seinen eigenen Stil entwickelt. Nur wer sehr früh mit dem Üben beginnt, kann ein Meister der Kalligrafie werden. Die Schriftzeichen müssen tausende Male geschrieben werden, bevor sie als Meisterwerk anerkannt werden.

Selbst in der Malerei wird die Schwarze Tusche verwendet, in dem sie mit verschiedenen Mengen Wasser vermengt und mit dem Pinsel aufträgt. Dadurch entstehen viele unterschiedliche Schattierungen von sehr hellem Grau bis zu tiefem Schwarz. Ein Maler aus der Tang-Zeit schrieb dazu: „Schwarz ergibt zehn Farben.“

Die Tuschmalerei wurde insbesondere für Rollbilder mit Landschaftsdarstellungen, oft mit Bergen und einzelnen Bäumen, verwendet. Viele dieser Bilder sind auch mit einem Gedicht versehen. Auf diese Weise war es möglich die „drei Künste“, Kalligrafie, Malerei und Dichtkunst auf einem Rollbild zu vereinigen.

Rollbilder sind deshalb auch eine besondere Form der chinesischen Kunst. Meist werden sie gerollt aufbewahrt und nur ab und zu zur Betrachtung hervor geholt.