Geschichte der Terrakotta-Armee

In der Nähe der Stadt Xi´an cirka 900 Kilometer südwestlich von Beijing in der Provinz Shaanxi befindet sich das schon seit langem bekannte Grabmal des Ersten Kaisers von China, Qin Shi Huangdi (259-210 v. Chr.). Ungefähr 800 Meter davon entfernt entdeckten im März 1974 Bauern während der Suche nach Wasser einen unterirdischen Hohlraum mit einer lebensgroßen Figur eines Kriegers. Die Figur bestand aus Terrakotta, unglasiertem gebrannten Ton.

Archäologen entdeckten später bei den Ausgrabungen mehrere tausend dieser lebensgroßen Statuen. Außer den Krieger-Statuen entdeckten sie auch lebensgroße Figuren von Pferden und Streitwagen aus Terrakotta. Krieger, Pferde und Streitwagen wurden in der 5 Meter unter der Erdoberfläche liegenden Anlage, die sich von Ost nach West über 230 Meter und von Nord nach Süd über 62 Meter erstreckt, zur Bewachung und Begleitung des verstorbenen Kaisers aufgestellt.

Bei den Ausgrabungen fand man auch viele zerbrochene oder zerstörte Figuren, die darauf hinweisen, dass das Grab schon bald nach dem Tod des Kaisers von Grabräubern geplündert und verwüstet wurde. Trotzdem fand man auch unversehrte Figuren sowie viele Waffen, Pfeilspitzen, Reste von Bögen aus Holz und Teile von Schwertern aus Bronze.

Bis heute konnte nur ein Teil der Anlage erfasst werden und die Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten dauern noch an.

Jede Figur wiegt etwa 200 Kilogramm und ist aus zwei Teilschichten aufgebaut. Die innere Schicht sollte verhindern, das die noch weichen Figuren während der Herstellung unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Die innere Schicht besteht aus groben Material und hat eine Stärke von 3 bis 10 cm. Die äußere Schicht besteht dagegen aus feinerem Material, ist nur 3 cm stark und verdeckt die Nahtstellen der einzelnen Figurenteile. Für die Beine und einige andere Körperteile wurde mit Sand vermischter Ton verwendet, um Brüche beim Brennen der Figuren zu verhindern. Rüstungen, Verzierungen und Haare bestehen aus besonders feinem Ton.

Die Köpfe bestehen aus zwei Teilen, die hinter den Ohren zusammengefügt wurden. Aus den grob vorgeformten Schichten der Einzelteile wurden feinere Schichten aufgetragen aus denen Augen, Mund, Nase Ohren, Haare und die Gesichtszüge geformt wurde. Keine der Figuren gleicht einer anderen. Jede einzelne hat ihre eigenen Merkmale und Gesichtszüge. Offensichtlich benutzten die Töpfer echte Krieger der Armee als Modell. So entstanden Figuren von Menschen, wie sie damals tatsächlich gelebt haben.

Zum Brennen wurde die Temperatur der Öfen über fünf Tage schrittweise erhöht, um die notwendige Temperatur von eintausend Grad zu erreichen.

Mit der Herstellung einer einzigen Figur waren drei Menschen fünfzehn Tage lang beschäftigt. Rein rechnerisch ergibt sich so für die vermutlich 8000 Figuren beim Einsatz von 80 Handwerkern eine Herrstellungzeit von 12 Jahren.

An einigen Figuren sind noch nach 2200 Jahren winzige Farbreste erhalten geblieben, die davon zeugen, dass jede einzelne Figur individuell bemalt war. Durch die 1992 im Landesamt für Denkmalpflege in München durchgeführten Farbuntersuchungen konnten einige Figuren mit der ursprünglichen Farbe wieder bemalt werden.