Sang Ye – 桑叶 – Mori folium

Eine in Bezug zur Traditionellen Chinesischen Medizin sehr vielseitige Heilpflanze ist der Maulbeerbaum (Morus alba). Von diesem Baum werden sowohl die Blätter Sang Ye (Mori folium), die Zweige Sang Zhi (Mori ramulus), die Früchte Sang Shen (Mori fructus) als auch die Wurzelrinde Sang Bai Pi (Mori cortex) verwendet. Während in der westlichen Heilkunde die Rinde, die Blätter und die Früchte der Schwarzen Maulbeere (Morus nigra) als Heildrogen eingesetzt wurden, erwähnte Shen Nong in seiner Kräuterheilkunde (Shen Nong Ben Cao Jing) allerdings nur die Blätter des Maulbeerbaums.

Ursprünglich ist die Weiße Maulbeere (Morus alba) in China beheimatet. Doch weil sie die wichtigste Maulbeerart für die Zucht der Seidenraupen darstellt, wird sie auch in vielen anderen klimatisch geeigneten Regionen außerhalb Chinas kultiviert. In Deutschland ist der Weiße Maulbeerbaum oft in Parks zu finden, aber gelegentlich auch als Hecke anzutreffen.

Die Form der Blätter ist sehr variabel. Am gleichen Baum sind gelappte und ungelappte Blätter zu finden. Einige Blätter sind an der Basis herzförmig oder rund, meisten eiförmig zugespitzt und weisen am Rand große dreieckige Zähne auf.

Die Schwarze Maulbeere (Morus nigra)ist demgegenüber ursprünglich in Westasien beheimatet. Sie wurde aber schon um 1500 herum bereits in Südeuropa kultiviert. Im Mittelmeerraum und in den südöstlichen USA ist sie mittlerweile häufig anzutreffen. In Mitteleuropa jedoch ist sie dagegen selten zu finden, weil sie nur in den wärmsten Lagen gut gedeiht.

Familie:
Moraceae (Maulbeerbaumgewächse)

Stammpflanze:
Morus alba L.

Deutscher Name:
Blatt des Weissen Maulbeerbaums

Englischer Name:
Mulberry Leaf

Vorkommen:
Der Weiße Maulbeerbaum (Morus alba) ist ist ganz China anzutreffen.

Sammlung, Aufbereitung und Lagerung:
Von Oktober bis Dezember werden die Blätter des Maulbeerbaums (Sang Ye – Mori folium) nach dem ersten Frost eingesammelt und an der Sonne getrocknet. Nach dem die Blätter vollständig getrocknet sind, werden die Blattstiele entfernt.

Sang Ye (Mori folium) ist gut belüftet und trocken zu lagern.

Temperaturverhalten:
kalt

Geschmack:
süß, bitter

Funktionskreisbezug:
Lunge, Leber

Wirkrichtung:
absenkend

Wirkort:
Kopf, Augen

Wirkungsweise:
antibakteriell, Husten lindernd, antiasthmatisch, schmerzstillend, harntreibend, schleimlösend

Traditionelle Verwendung:

  • Ableitung von Wind und Hitze, Kühlung des Funktionskreis Lunge und Befeuchtung von Trockenheit; Anwendung bei
    Erkältungskrankheiten verursacht durch Wind-Hitze, Entzündung des Halses, Fieber, trockener Husten durch Hitze im Funktionskreis Lunge mit dickem, gelben Auswurf;
  • Hitze aus der Leber ableiten; Anwendung bei
    Schwindel, Kopfschmerzen;
  • Kühlen des Bluts und stoppen von Blutungen; Anwendung bei
    leichten Fällen von Bluterbrechen durch Hitze des Blutes;
  • Klärung von Augen und Kopf; Anwendung bei
    trockenen, entzündeten und schmerzenden Augen, Rötungen der Augen, Sehstörungen und Flimmern, Flecken vor den Augen.

Bei Problemen mit den Augen wird Sang Ye (Mori folium) äusserlich angewendet.

Typische Dosierung in der Traditionellen Chinesischen Medizin:
3g bis 15g

Kombination mit anderen Arzneien der TCM:

  • bei äußerlicher Wind-Hitze zusammen mit
    Ju Hua (Chrysanthemi Flos), Bo He (Menthae herba), Jie Geng (Platycodi radix) undLian Qiao (Forsythiae fructus);
  • bei durch Wind-Hitze bedingtem Husten, geröteten, geschwollenen und schmerzhaften Augen zusammen mit
    Ju Hua (Chrysanthemi Flos);
  • bei geröteten, geschwollenen und schmerzenden Augen verursacht durch Leberfeuer zusammen mit
    Xia Ku Cao (Prunellae spica), Mu Zei (Equiseti herba)
  • bei von außen eindringender Wind-Hitze zusammen mit
    Bo He (Menthae herba), Lian Qiao (Forsythiae fructus) und Jing Jie (Schizonepetae herba);
  • bei Husten zusammen mit
    Jie Geng (Platycodi radix), Xing Ren (Armeniacae pruni semen), Nan Sha Shen (Adenophorae radix);
  • bei Unruhe und Schwindel verursacht durch hochteigendes Feuer der Leberzusammen mit
    Mu Li (Ostreae concha), Shi Jue Ming (Haliotidis concha);
  • bei Krämpfen und Spasmen verursacht durch Leber-Wind zusammen mit
    Ling Yang Jiao (Antelopis comu), Gou Teng (Uncariae ramulus);
  • bei Unruhe und Schwindel verursacht durch Erschöpfung des Nieren-Yinzusammen mit
    Zhi Ma (Sesami semen).

Klassische Rezepturen:
Sang Ju Yin,
Sang Xing Tang

Forschungsergebnisse:
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde ein deutlich Blutzucker senkenden Effekt festgestellt. Durch Injektion eines Präparats mit Sang Ye (Mori folium) wurde Elephantiasis (abnorme Vergrößerung eines Körperteils durch einen Lymphstau) deutlich gebessert, rund 10% der behandelten Fälle wurden geheilt.

Eine Überdosis führte im Langzeitversuch bei Mäusen zu Schädigungen von Leber und Niere (205-fache Dosis der beim Menschen üblichen Menge!)